Expedition Vehicle Travel Experience / weltweit unterwegs im eigenen zuhause
Taghazoute, den Surferplatz nördlich von Agadir verlassen wir nach unserem Frühstück und einem gemeinsamen Gang mit den Hamburgern und den Babies hinunter zum Meer
in Richtung Norden. Vielleicht können wir einen schönen Ort erreichen, der uns für ein paar Tage beherbergt.
Imsouane ein Miniörtchen direkt an der Küste ist somit mittags besucht und wir stellen uns für unsere Pause hinauf auf die Klippen – leider ist das Meer gute 50
Meter unter uns. Erstaunlich, kommt uns doch nach wenigen Minuten in der Einsamkeit ein rechtsgesteuerter Mercedes-Bus besuchen. Das nette irische Paar gesellt sich noch auf einen Plausch ins
Tesomobil bevor wir beschließen wieder weiter zu fahren. Auf der Suche nach dem Stellplatz direkt am Meer und auf Meereshöhe.
Sidi-Kaouki, ein kleiner Ort an einer Lagune, bietet diese Möglichkeit . Ausgestattet mit frischem Brot brauchen wir nichts mehr für den Morgen und fahren mit etwas
Schwung über die schmale Sandstelle, die das Meer noch von der Lagune trennt. Ein malerischer Ort, wären da nicht Millionen von PET-Flaschen die, wer weiß wo hineingeworfen, das Meer genau hier
wieder anspült. Flut für Flut landen hier somit die falsch behandelten Sorgen des Landes in Plastikform an diesem Strand. Ein Fluch für das Land, was so vieles zu bieten hat. Wo wir auch
hinschauen, finden wir Plastiktüten oder PET-Flaschen zu Hauf. Die Abfallentsorgung funktioniert unserer Beobachtung nach lediglich in Orten wie Ifrane, wo vermehrt reichere Menschen
residieren.
Am Abend gibt es noch eine Überraschung mit der Ankunft der Hamburger an diesem verlassenen Ort unserem PET-Strand. Haben sie uns von der nicht weit entfernten
Straße aus gesehen und einen Weg gesucht hinunter zur Lagune um sich für die Nacht zu uns zu gesellen. Somit wissen wir, dass, sollte unser Hinweg zur Lagune nicht mehr funktionieren wegen der
Gezeiten es zumindest einen Hinterausgang wenn auch sehr steinig und rumpelig, aus der Lagune gibt.
Essaouira, die kleine Stadt französischen Einflusses am Meer soll unser Weihnachtsstellplatz werden. Hier gibt es eine schöne Medina zu besuchen, ein Stadtzentrum
und sogar eine Strandpromenade, an der wir mal entlang wandern können. Es ist nicht weit und die paar Kilometer sind schnell gefahren. Bei einer Total-Tankstelle noch eben ein paar Liter Diesel
nachgefüllt und eben das Auto wieder in seine Fahrposition gebracht – an dieser Stelle mein Dank nach Süddeutschland für den super Tipp, ist nämlich eines der beiden Magnetventile (nach zwanzig
Jahren darf so etwas durchaus einmal kaputt gehen) ausgefallen und die Niveauregulierung benutzen wir im manuellen Betrieb - kommen wir bald an dem Wohnmobilstellplatz, ist es eigentlich ein
großer Strandparkplatz an der Hauptstraße, an. Uns gefällt es hier auf Anhieb und nachdem wir einen Stadtrundgang mit Paula im Kinderwagen gemacht haben entscheiden wir uns hier zu bleiben für
Weihnachten.
Paula kann hier die Düne hinaufkrabbeln, oder mit uns im benachbarten westlich geprägten Strandcafé, auf großen Matratzen herumkugeln und frisch gepressten
Orangensaft trinken. Hier führen die Einheimischen den Touristen – es hat einige auch hochpreisige Hotels im Ort – Kamele für den Gelegenheitsritt an den Strand. Morgens schlendern die Kamele auf
dem Weg zur Arbeit an uns vorbei und abends kommen sie, meist ohne überhaupt einen Touristen über den Strand getragen zu haben, zum Feierabend wieder an uns vorbei. Wir fragen uns verwundert,
warum die ganze Mühe, da wir nie jemanden reiten sehen. Die Antwort klingt einleuchtend. Es braucht nur den einen bezahlten Touristen-Ritt in der Woche und sie haben genug verdient.
Öfter werden jedoch die benzinbetankten vierrädrigen Männerspielzeuge, von dickbäuchigen Reitern durch den Sand getrieben. Das scheint heut zu Tage mehr Spaß zu
machen und ist zudem erschwinglicher als ein Kamelritt.
Es ist uns egal. Wir sitzen auf der Terrasse unseres Cafés und essen am heiligen Nachmittag Pferdefleisch-Burger. Schmeckt prima und wir beschließen länger zu
bleiben und dem Reisemobil einen weiteren Tag Weihnachtsurlaub zu geben.
Ein Besuch der Medina lohnt hier auf jeden Fall. Der Hafen bietet zudem eine gute Möglichkeit sich frischen Fisch zu kaufen und direkt an Garküchen grillen zu
lassen.
Irgendwann treffen wir auf Christian, der mit seiner Frau geführte Wohnmobilreisen durch Marokko macht und ebenso mit einem kleinen Kind unterwegs ist. Ihr Sohn ist
14 Monate alt und immer mit dabei. Sehr angenehme Menschen die drei und somit hier der Link, für jeden, der sich gerne Marokko mal im Wohnmobil anschauen möchte, sich alleine jedoch nicht so
recht traut, oder sich einfach in ihre erfahrenen Hände begeben möchte und den Luxus ihrer umfangreichen Voraborganisation genießen möchte. Einfach auf das Bild klicken und bei ihnen
vorbeischauen.
Ich habe mich in seine erfahrenen Hände begeben, als er kurzerhand fragt, ob ich Lust hätte abends mit ihm eine Kneipe aufzusuchen. Ausschließlich Einheimische
träfen sich dort und Bier gäbe es auch. Hinterher könnten wir in ein traditionelles, marokkanisches Hammam und uns vom Reisestaub befreien. Gesagt, getan. Die Kneipe ist leider zu, aber der
Besuch im Hammam ist beeindruckend. Blitzeblank wieder zurück am Stellplatz – Karin und Paula sind bereits im Bett verschwunden – verquatschen wir noch ein halbes Stündchen bevor wir
jeder in unsere Mobile schleichen.
Den Strandparkplatz verlassen wir nach zwei Tagen und fahren wieder ein Stück nach Norden. Immer in Küstennähe. Nur wenige Kilometer vor Safi finden wir dann auch
wieder einen schönen Platz, hinunter zum Strand, einige hundert Meter weiter fahren als die letzten PKW kommen und die Ruhe ist garantiert.
Oft wissen wir nicht, wie unser Ort irgendwo am Meer heißt an dem wir nächtigen. So ergeht es uns ab und an. Dann geben wir diesem Ort unseren eigenen Namen. Wie am Wellenbrecherstrand. Direkt am Meer einfach auf den Strand gefahren ist der Stellplatz so schön, dass wir gar nicht mehr weiter fahren und den Mittagsplatz zum Nachtplatz machen. Die Nachmittagssonne genießen, etwas draußen herumtollen,
bisschen herinnen herumtollen.
Paula versucht sich vor uns in Sicherheit zu bringen, indem sie zum Meer robbt. Scheinbar ist es ihr, nur mit uns, zu langweilig. Sie erkundet in den letzten Tagen immer mehr die sie umgebende Welt und nichts ist uninteressant. Alles ist neu und der Reiz des Neuen wird von ihr probiert und getestet. Sie hat riesen Spaß.
Warum legen wir immer die Decke aus, fragen wir uns. Ist es ihr doch ohnehin viel lieber den Sand zu erkunden. Vielleicht verbergen sich noch ganz interessante Dinge da drinnen.
Ein anstrengendes Unterfangen, diesen großen Strand umzugraben.
Paula wird die kommende Nacht sicher sehr fest schlafen, nachdem wir sie aber erst mal grundgereinigt haben.
Was sind diese Staukastenklappen doch praktisch. Direkt unter der Außendusche können wir Paula die Sandkörner aus den Augen, der Nase und dem Mund spülen. Das Ganze
ohne große Ferkelei im Innenraum. Das Kind ist wieder sauber und der Sonnenuntergang vor Paulas Kinderzimmerfenster ist nicht mehr fern. Gedacht war dieser Raum zuerst als Gästebett, falls einmal
jemand über einige Tage im Wohnmobil mitgenommen werden möchte.
Vor dem Schlafengehen besprechen die beiden noch das Mittagsmenü für die kommenden vier Tage und Paula ist interessiert, was es geben wird.
Wieder ist ein Tag vorbei und wir ziehen uns, in Paulas Nähe in unser rollendes Zuhause zurück.
Vielleicht noch etwas Kartenspielen, bisschen Herumtun, Lesen oder einfach die Aussicht genießen. Bald ist dann auch für uns Schluss.
Beim Wegfahren am nächsten Tag sehen wir dann das Ortsschild. Ek Kabbah, heißt also der nette Ort. Kaum auf der Straße angekommen, wuselt es wieder nur so von Erinnerungen an die automobile Hochkultur auf der Straße. Alte Bekannte fahren hier in Marokko die Dritte Million Kilometer ihres Lebens zusammen und halten immer noch. Was waren das noch für Zeiten, denke ich mir immer wieder, als ein Mercedes noch dreißig Jahre hielt. Viele davon aus Deutschland.
Immer gibt es während der Fahrt etwas zusehen. LKW, die als Doppeldecker zwei Etagen Kühe und auf dem Dach noch Schafe transportieren, oder ein Bund PET-Flaschen und Kanister zu einem kunstvoll gebundenen Blumenstrauß auf der Straße nach irgendwo. Nächstes Leben der PET-Flaschen vielleicht sogar Behältnis für das allseits angepriesene Argan-Öl, oder Oliven im Kanister. Ideenreich sind die Marokkaner. Solange sie nicht am Strand anlanden soll es gut sein.
Es ist ohnehin nicht wirklich Saison. Nur wenige marokkanische Urlauber verirren sich, meist mit PKW, Tajine, Grill und einigen Tüchern ausgestattet, die sie an der
Heckklappe befestigen um einen provisorischen Sonnenschutz fürs Mittagsschläfchen zu schaffen, an die Strände. Wohnmobile sind meist auf den Campingplätzen und die Sonnenuntergangsanbeter, die zu
ihrer Lieblingsmusik aus dem Autofenster aufs Meer schauen stehen dort wo wir noch weiter gefahren sind.
Autofahren heißt für manche Verkehrsteilnehmer auch einfach Tiefenentspannung. Uns soll es recht sein.
Beim Einparken unseres Tesomobil wecke ich Paula meist dass sie mir etwas hilft. Sie macht das prima und kennt sich bereits bestens aus mit dem Expeditionsmobil.
Meist läuft danach der Scheibenwischer, oder die Differenzialsperren sind eingelegt. Aber gut - die Abfahrtskontrolle beim LKW ergibt plötzlich Sinn - wobei in abgewandelter Form.
Von der Teerstraße hinunter einen Trampelpfad entlang, kurz den Allrad hinein und die Düne hinaufgefahren. Schon stehen wir in sicherer Entfernung zur Brandung und haben eine super Aussicht. Hilfreich hierbei auch das schier unendliche Drehmoment unseres Allrad-Expeditionsmobiles und die netterweise durch die Bundeswehr in Auftrag gegebenen 403PS, die das kurze Sandkastenintermezzo zum Spiel für das Mobil machen. Dass hier am Abend vier mal und öfter die Polizei den einsamen Strand abgefahren ist liegt wohl daran, dass wir in des Königs Vorgarten gestanden sind, wenige Kilometer von seinem Sitz entfernt, 30 km südlich von Rabat. Somit stehen wir auch zufällig immer sicher. Mut zur Lücke gepaart mit ein wenig Glück und alles ist gut.
Der obligatorische Fischer kommt noch am Abend vorbei. Wir tauschen drei von ihm für uns gesammelte Muscheln gegen eine Zigarette. Er bietet uns noch ein dominosteingroßes Stück Dope an, was wir dankend ablehnen. Mit Paula an Bord brauchen wir keine Drogen. Sie alleine reicht völlig.
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